Dissertation

Dissertation von Herrn Dr. Norbert Roskopf

Aufgrund seiner langjährigen Erfahrung im Fremdfirmeneinsatz von kurzfristig beauftragten Montagearbeiten unterschiedlichen Umfangs und Dauer, untersuchte Herr Dr. Norbert Roskopf in seiner Dissertation die Bedingungen und Maßnahmen zur Verbesserung von Sicherheit und Gesundheit der Fremdfirmen in der Rheinischen Braunkohlenindustrie.

sicher ist sicher

In der Ausgabe 10/2016 der "sicher ist sicher", der Fachzeitschrift für Sicherheitstechnik, Gesundheitsschutz und menschengerechte Arbeitsplatzgestaltung, nimmt Herr Dr. Norbert Roskopf Stellung zur Entwicklung des Arbeitsschutzes in kleinen und mittleren Unternehmen seit Inkrafttreten des Arbeitsschutzgesetzes vor 20 Jahren:

20 Jahre Arbeitsschutzgesetz
Besserer Arbeitsschutz in kleinen und mittleren Betrieben?

KMU‘s sind in der Regel Unternehmer-/ Inhabergeführte Betriebe, die durch die Einheit von Eigentum, Leitung, Haftung und Risiko gekennzeichnet sind. Führen und Entscheiden ist Chefsache! So engagiert der Unternehmer alle Ziele verfolgt, die seinem Unternehmen in dessen Entwicklung förderlich erscheinen, so nachrangig betrachtet er mitunter jene Maßnahmen, die sich diesem Zweck nicht unterordnen. Gesetze, Verordnungen und Auflagen werden in diesem Sinne vielfach als Hemmnis, unnütze „Systembefriedigung“ und als Angriff auf seine unternehmerische Freiheit empfunden. Nicht selten manifestiert sich hieraus die Meinung, dass Arbeitsschutz viel Geld kostet, wenig bringt, vielleicht gar ein Hemmnis bei der Arbeit darstellt und sowieso nur etwas für wirtschaftlich gute Zeiten ist.

Also wird der Fokus primär auf die Erfüllung der staatlichen und berufsgenossenschaftlichen Auflagen gelegt („bloß nicht auffallen“), es wird überwiegend maßnahmenbezogen reagiert (korrektiv-statisch) und eher selten vorausschauend agiert (präventiv-dynamisch).

Das Vorschriften- und Regelwerk zum Arbeitsschutz verzichtet weitgehend auf detaillierte Festlegungen und schafft Gestaltungsmöglichkeiten für eine betriebsindividuelle Umsetzung. Eine Flexibilisierung, die insbesondere kleinen und mittleren Betrieben zugutekommen soll. Gesetze und Regeln bilden in diesem Zusammenhang einen Handlungsrahmen und bieten Orientierung, Ziele zu setzen und Wege zur Umsetzung aufzuzeigen. Soweit die Theorie.

In der Praxis schafft die Abkehr von verbindlichen Vorgaben einerseits bewusst Freiräume zur Umsetzung von Arbeitsschutzmaßnahmen, andererseits sind jedoch viele Akteure, angesichts der nach wie vor dominierenden Wissensdefizite über gesetzliche Regelungen, Ursachen, Folgen und mögliche Präventionsmaßnahmen, mit diesen neuen (zusätzlichen) Herausforderungen überfordert. Die Deregulierung im Arbeitsschutz zeigt sich rückblickend als wenig hilfreich und hat keinen Anstoß gegeben, das Arbeitsschutzniveau der KMU spürbar positiv zu beeinflussen.

20 Jahre ArbSchG: Haben die kleinen und mittleren Betriebe die Möglichkeit der flexiblen Umsetzung erkannt und genutzt? Meine Antwort: Erfolgsgeschichten sehen anders aus. Das ArbSchG hat in diesen Betrieben bislang keinen wesentlichen Beitrag zur Unterstützung von Sicherheit und Gesundheitsschutz der Beschäftigten bei der Arbeit leisten können. Dies ist nicht ursächlich in den Regelungen der Arbeitsschutzgesetzgebung begründet, sondern in der Art und Weise, mit welchem Selbstverständnis, vornehmlich die Unternehmer gewillt oder gefordert sind, Sicherheit und Gesundheitsschutz als integralen Bestandteil ihrer Führungsverantwortung anzunehmen und in die Aufbau- und Ablauforganisation ihres Unternehmens zu integrieren. Auf Freiwilligkeit, Eigeninitiative oder Einsicht zu setzen, ist ein allzu optimistischer Ansatz.

Der Druck des Kunden wirkt hingegen unmittelbar. Ist der Nachweis zum Engagement im Arbeitsschutz eine zentrale Voraussetzung zur Auftragserteilung (z. B. die Erfüllung von Maßnahmen aus dem Arbeitsschutz-Fremdfirmenmanagementsystems des Kundenbetriebes), so gibt es auf dem Weg der Zusammenarbeit keine Alternative. Kurz: Ohne Engagement im Arbeitsschutz kein Auftrag.

Ebenso dürfte die Aussicht, durch nachgewiesene, über rechtlich verpflichtende Arbeitsschutzmaßnahmen hinausgehende Aktionen, wirtschaftliche Vorteile zu erzielen wirken. Als Beispiel könnte das Prämienverfahren der VBG angeführt werden. So kann z. B. die Einführung eines Arbeitsschutzmanagementsystems, dessen Zertifizierung, die Teilnahme an Arbeitsschutzworkshops, der Nachweis über eine Aufarbeitung von Unfällen und den daraus abgeleiteten Präventionsmaßnahmen, o. ä., mit gestaffelten Prämien honoriert werden. Kurz: Anstrengungen im Arbeitsschutz werden belohnt. Eine, unter dem Aspekt der Wirtschaftlichkeit und des Arbeitsschutzes positive „win-win“-Situation.

sis, 2016, Jhg. 67, S. 486-489

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